Kostenloser ÖPNV in Paderborn? Gute Idee, aber …

 

Seit dem Vorschlag der Bundesregierung, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) kostenlos anzubieten, ist auch hier in Paderborn eine Diskussion gestartet. Die Idee, den ÖPNV grundsätzlich mehr zu fördern, finden wir richtig und gut. So wären z.B. ein besserer Takt und eine stärkere Anbindung der Stadtteile möglich.

 

Ein kostenloser ÖPNV ist unserer Meinung nach aber derzeit finanziell nicht umsetzbar, denn die Berechnung ist wesentlich komplexer als man auf den ersten Blick denken mag. Es wären allein für den PaderSprinter einmalige Investitionen für die Infrastruktur von mindestens 22 Mio. Euro notwendig. Dazu zählen z.B. neue Busse, um die Anzahl der Fahrgäste, die aufgrund des kostenlosen Angebotes steigen würde, befördern zu können. Ebenso zählt dazu neues Fahr- und Werkstatt-Personal und auch ein neuer, größerer Betriebshof, auf dem die Fahrzeuge gewartet, getankt und abgestellt werden können. Zusätzlich wäre ein Ausbau der bisherigen Haltestellen nötig, um den Fahrgastwechsel abwickeln zu können. Diese Investitionen müssten unserer Meinung nach aber bereits vor der Einführung eines kostenlosen ÖPNV Angebots getätigt werden und nicht erst danach. Eine Vorlaufzeit von mindestens zwei bis drei Jahre sehen wir daher als notwendig an.

 

Der ÖPNV kann auch in Paderborn nicht kostendeckend angeboten werden. Ohne die Einnahmen aus den Ticketerlösen würden jährlich rund 29 Mio. Euro Kosten anfallen. Der Verbund Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sagt, dass für den gesamten ÖPNV in Deutschland heute 12 Mrd. Euro Zuschüsse pro Jahr benötigt werden. Diese Summen müssten zukünftig vom Bund, dem Land und der Stadt Paderborn, also dem Steuerzahler, finanziert werden.

 

Dazu kommt: Paderborn ist keine Insel. Es gibt weitere ÖPNV-Unternehmen (Regionalverkehr, Schienenverkehr, …) und einen Verkehrsverbund. Seit dem 01.08.2017 gehören wir und 60 weitere Verkehrsunternehmen dem WestfalenTarif an. Hier gäbe es sehr viel Abstimmungs- und Abrechnungsbedarf, denn bestehende Verträge müssen eingehalten und können nicht sofort gekündigt werden. Es müssten also sehr viele Fragen landes- und bundesweit geklärt werden, bevor ein kostenloser ÖPNV eingeführt werden könnte. Dazu zählen auch die vielen Pendler/-innen, die derzeit täglich mit PKW aus Kommunen außerhalb Paderborns in die Stadt fahren und somit nicht in unserem Einflussbereich liegen. Auch hierfür müssten Lösungen geschaffen werden.

 

Im Übrigen müssten unserer Meinung nach die eigentlichen Verursacher, nämlich die Autohersteller, stärker in die Pflicht genommen werden. Sie müssen ebenfalls zur Verbesserung der Luftqualität beitragen, bevor die Lasten auf den ÖPNV und die Allgemeinheit abgewälzt werden.

 

Wir arbeiten aber natürlich unabhängig von der Diskussion weiter daran, die Attraktivität und Flexibilität des Busverkehrs in Paderborn zu verbessern. Versprochen!